„Men made Machines“ – Machine Translation and Human Feelings

Unsere Befragungen auf der tekom 2019

Wir bei tsd sind neugierig – neugierig auf Neues, auf Meinungen, auf unterschiedliche Einschätzungen. Der Wandel durch KI und Digitalisierung verändert unsere Wahrnehmung und verschiebt Bewertungen in unerwartete Richtungen – soweit unsere Hypothese.

Ein zentrales Thema, das uns seit über fünf Jahren begleitet, ist der Einsatz von Machine Translation-Lösungen im Übersetzungsprozess. Wir haben diesbezüglich umfangreiches Wissen aufgebaut und diverse Ansätze entwickelt, die oft produktiv in Kundenprozessen Anwendung finden. Einer der Schwerpunkte, der uns insbesondere interessiert, ist die Fragestellung, inwieweit Menschen in den Prozess eingreifen können/sollen. Welchen Effekt hat der Einsatz von MT auf unsere Arbeitsumgebung und die Aufgaben? Wir nennen dieses Thema passenderweise: „Power 2 the Translator“.

Das Zusammenspiel aus der oben genannten Hypothese und dem Thema „Einsatz von Machine Translation Lösungen“ motivierte uns konkrete Fragen diesbezüglich zu stellen.

Unsere Aufgabenstellung: drei Tage, drei unterschiedliche Fragestellungen.

Unsere Vorgehensweise: eine Fragestellung, ein Plakat, die KIE Skala zur Bewertung (mehr Information dazu unter https://www.k-i-e.com/) und ganz wichtig: ein Aufkleber, um seine Stimme abzugeben.

Das „Wie“ war geklärt, somit machten wir uns daran die Besucher unseres Stands aktiv nach ihren Meinungen zu fragen.

Tag 1: Wir wollten herausfinden, ob es eine Korrelation zwischen Erfahrung mit und Offenheit gegenüber MT-Lösungen gibt.

Erkenntnis dieser Befragung: eine überwältigende Offenheit gegenüber dem Thema Machine Translation. Die Ergebnisse und technologischen Fortschritte der vergangenen drei Jahre haben eine positive Wahrnehmung dieser Technologie vorangetrieben. Ein solches Ergebnis hätte es vermutlich vor einem oder zwei Jahren nicht gegeben. Eine starke Varianz lässt sich bei der konkreten Arbeitserfahrung in der Nutzung solcher Lösungen verzeichnen – es bleibt also offen, ob eine intensivere Nutzung auch eine höhere Akzeptanz hervorbringt.

Tag 2: Wir wurden mutiger – diesmal die bewusst provokative Fragestellung: Hat der Einsatz von MT einen positiven Effekt auf die Qualität von Übersetzungen? Diese Frage brachte eine Reihe von äußerst spannenden Diskussionen rund um das Thema MT und Qualität zutage. Eine der Befragten sagte beispielsweise, dass sie ihre eigenen E-Mails mithilfe von MT prüft, bzw. gleich damit erstellt, um zu schauen, ob ihr Englisch korrekt ist.

Ein häufiges Argument für einen positiven Effekt war die Zeitkomponente – wird der Übersetzungsprozess durch MT stark beschleunigt, bleibt im Gesamtprozess mehr Zeit für ausgiebige Überprüfungszyklen.

Die Skeptiker unter den Befragten brachten wiederholt das Problem der Qualität des Ausgangstextes zur Sprache – diese hat einen erheblichen Einfluss auf den Output einer MT. Schon ein kleiner Flüchtigkeitsfehler kann zu kritischen Fehlern bei maschinell übersetzten Inhalten führen, da diese u.a. das Konzept „Tippfehler“ nicht verstehen können. Meist sind Pre-Editing Prozesse, also die Bereinigung von Texten in der Ausgangsprache, nicht oder unzureichend umgesetzt.

Tag 3: Am letzten Tag wollten wir nun die Einschätzung zu dem Prozessschritt „Post-Editing“, die Korrektur maschinell übersetzter Texte durch einen Menschen, abfragen. Ganz konkret stand folgende Fragestellung im Raum: Macht es einen Unterschied, ob wiederholte Segmente aus einer Übersetzungsdatenbank angepasst oder durch eine MT vorübersetzt werden? Der Hintergrund unserer Frage lag darin begründet, dass sowohl bei der Entlohnung als auch bei der Aufwandsschätzung von PE nicht selten die Tätigkeit „Überprüfung und Anpassung von Datenbanktreffern“ zugrunde gelegt wird.

Keine einfache Fragestellung, dennoch waren sich fast alle Teilnehmer darüber einig, dass ein deutlicher Unterschied zwischen beiden Tätigkeiten existiert. Ist somit der oben genannte Vergleich falsch?

Sicherlich wird es spannend, diese Fragestellung erneut in ein bis zwei Jahren aufzuwerfen.

Fazit: Uns hat insbesondere die überwältigend positive Einstellung zum Thema MT beeindruckt. Eine so durchweg offene Sichtweise hatten wir in dieser Ausprägung (noch) nicht erwartet. Ob nun MT einen positiven Effekt auf die Übersetzungsqualität haben wird, werden wir in den kommenden zwei bis fünf Jahren besser beurteilen können. Die bisherige Sachlage lässt vermuten, dass es eine ganze Liste von Anwendungsfällen gibt, bei denen dies durchaus zutreffen könnte.

Ausblick: Wir beobachten derzeit zwei Effekte – zum einem sinkt die Skepsis der Sprachexperten gegenüber MT-Ergebnissen. Gleichzeitig zeichnet sich eine leichte Überschätzung der MT-Software in der breiten Bevölkerung ab. Den richtigen Weg zu modernen, effizienten und eleganten Prozessen zu finden, die wahrlich „Fit for Purpose“ sind, ist unser Anspruch und Ziel.